Alpe d’Huez - Thomas Langner bezwingt den Alpenmythos

(15.07.2018 tl) Thomas Langner startete am vergangenen Sonntag, dem 08. Juli bei einem der größten und bekanntesten Amateurstraßenrennen Frankreichs, der Marmotte (auf Deutsch: das Murmeltier). Die Marmotte ist allerdings alles andere als gemütlich. Sie glänzt geradezu mit Extremen. Bei 174 zu fahrenden Kilometern waren 5.005 Höhenmeter zu überwinden.

An den Start auf den teilweise sehr engen Alpenstraßen gingen sage und Schreibe 7.500 Teilnehmer. Bis zum Ziel im legendären Tour de France Etappenort Alpe d’Huez in 1.804 m Höhe sind die Alpenriesen Col du Glandon (1.916 m), Col de Télégraphe (1.561 m) und vor allem Col du Galibier (2.623 m) zu überwinden. Und damit nicht genug. Beim Start in Bourg d’Oisans im Süden Frankreichs (721 m) zeigte das Thermometer um 8 Uhr erfrischende 13 Grad. Der Schlussanstieg nach Alpe d’Huez über mehr als 1.000 Höhenmeter war bei glühenden 36 Grad zu bewältigen, ganz wie es die Tour de France Profis zur besten Sendezeit im Fernsehen um 17 Uhr Jahr für Jahr erleben.
Langner nahm die unbekannte Herausforderung im bewährten Betreuer-Team mit seinen Vereinskameraden Eckhard und Frank Kroker an.
Mit entscheidend für das Gelingen der Fahrt war die gute Einteilung der beiden nicht so spektakulären Streckenabschnitte, nämlich der schleichende Anstieg durch das Maurienne Tal hin zum Télégraphe und die über 40 km lange Abfahrt vom Galibier mit kleinen ruppigen Zwischenanstiegen. In diesen beiden Abschnitten versuchte Langner immer wieder, sich engagierten Fahrergruppen anzuschließen, um das Tempo möglichst hoch zu halten, ohne jedoch die entscheiden „Körner“ zu verbrauchen.
„Wenn man das Höhenprofil der Marmotte anschaut“, sagt Langner, „stehen die drei Berggiganten Glandon, Galibier und Alpe d’Huez klar im Vordergrund. Vergessen wird dabei aber die 12 km lange Steigung von durchschnittlich 7% zum zweiten Berg des Tages, dem Télégraphe. Bei zu schneller Fahrt durch das heiße Maurienne Tal, kann der Aufstieg zum Télégraphe zum Sargnagel für die komplette restliche Tour werden.“
Denn danach kommt im direkten Anschluss die 18 km lange Auffahrt  zum Galibier. Die ersten 10 km davon schlängelten sich bei moderater Steigung über relativ sanfte Hänge bis zur Serpentine in Plan Lachat. „Du drehst Dich und dann fällt der Hammer“, berichtete Langner. „Die Steigung der letzten 8 km ist unerbittlich, die Luft ist dünn. Die Steigung nimmt auf über 10% zu, der Asphalt ist rauh und Du kannst den Gipfel für mindestens 3 km sehen. Aber er kommt nicht näher.“
Ob man dann Glück oder Pech mit der Gruppe hat, die einem auf der Abfahrt bis zum Fuße des Schlussanstieges begleitet, niemand kann einem helfen, wenn Alpe d’Huez sich vor einem aufbaut. Der Höhepunkt, das große Finale. Nur Du, der Berg und 21 Spitzkehren, jede mit dem Namen eines Gewinners einer Tour de France Etappe an diesem Berg betitelt.
Bis dahin war der Tag für Langner weitgehend planmäßig verlaufen, wenn man absieht von den großen Staus an den Verpflegungsstellen wegen der enormen Teilnehmerzahl. Aber dennoch kam es wie erwartet: bei jedem Wetter kann man fast garantieren, dass es nachmittags um 16 Uhr auf der Alpe heiß ist. Die nach Süden ausgerichtete Straße und die die Sonne reflektierende Felswand auf der anderen Seite verstärken dieses Szenario. „Die Straße wird zu etwas wie einem Gewächshaus und einem Kessel und kocht Deine Reifen, Deine Beine und Deinen Geist“, so Langner. In diesem Jahr starteten die Teilnehmer in der sengenden 36-Grad-Hitze des Oisans-Tales und sogar auf dem 1.804 m hohen Zielgipfel waren es noch 32 Grad!
Schlussendlich erreichte Langner Alpe d’Huez trotz spürbarer Krämpfe in respektablen 9:34 Stunden. Das bedeutete Platz 625 im vorderen Mittelfeld seiner Altersgruppe. (Mehr als 2.000 Starter mussten aufgeben und kamen nicht ins Ziel.)
Fazit für Langner: „Für Möchtegern-Profis wie mich ist die Marmotte ein Rennen. Für mindestens die Hälfte des Fahrerfeldes ist sie jedoch ein Fahrradereignis, um zu überleben und zu genießen. Die Fahrt führt durch eine atemberaubende Landschaft, die Du nie vergißt!“